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Ausflug zum Mount Agou

Autor: Hanna | Datum: 03 Juni 2018, 14:25 | 0 Kommentare

Für das letzte Maiwochenende, schlug uns unser Chorleiter Kekeli vor, einen kleinen Ausflug in die Berge zu unternehmen. Das bedeutete am Samstag um 4:30 aufstehen, da wir pünktlich um 5:30 von Kekeli und Edem, ein guter Freund von ihm, mit ihren Motorrädern vor der Haustür abgeholt wurden. Mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen und einem Tuch bis unter die Augen gebunden, fuhren wir knappe eineinhalb Stunden über die berühmt berüchtigte Sandpiste. Als wir dann den Sandweg verließen und wieder auf einer geteerten Straße ankamen, wurde noch kurz ein Zwischenstopp eingelegt, um sich den roten Staub aus dem Gesicht zu wischen und die Kleidung ein wenig abzustauben. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer weiter in Richtung Kpalimes, bis wir auf eine kleine Straße abbogen, die zu den dahinterliegen Bergen führte. 

Kekeli eeklärtwer uns, dass direkt vor uns der höchste Berg Togos, der „Mont Agou“ liege und zeigte mit dem Finger stolz auf die winzig aussehenden Häuser, die in weiter Ferne unterhalb der Bergkuppe zu sehen waren. Dies sei das Dorf „Dzigbe“, in dem seine Verwandten leben.

Als er verkündete, dass wir genau dorthin nun mit den Motorräder fahren würden, hatte ich erst etwas Bedenken, ob die Motoren diese extreme Steigung meistern würden. Die Steigung war jedoch nicht das größte Problem, es war der geteerte Weg, der überwiegend aus sandigen Schlaglöchern und 10 Zentimeter hohen Abbruchkanten besteht, der Schwierigkeiten bereitete. Dass die Straße so aussieht ist jedoch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie lang es diese schon gibt. Erbaut wurde sie in der Zeit, in der Togo noch eine deutsche Kolonie war. Da der Mont Agou der höchste Berg des Landes ist, erbauten die Deutschen dort eine Funkstation, um mit ihren Landsleuten in Deutschland Informationen austauschen zu können. Dementsprechend wurden mehrere kleine Straßen erbaut, um die Bergkuppe zu erreichen. Nachdem wir nach 15 km Aufstieg die Motos auf einer Höhe von cira 700 Metern abgestellt hatten, ging es anschießend zu Fuß weiter. 

DerAufstieg über den steilen Weg, der im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von großen Felssteinen besteht, brachte uns bei der schwülen Hitze ziemlich ins Schwitzen. Für den anschließenden Ausblick hat es sich jedoch alle mal gelohnt. Oben angekommen wurden uns die Wettermessstation und der ehemalige Funkturm der Deutschen gezeigt, der heutzutage vom Netzanbieter Togocel genutzt wird. In den sechziger Jahren erbaten die Franzosen noch einen weiteren Funkturm dazu.

Auf der Bergkuppe befinden sich, bereits vom Gras etwas überwaschen, zwei große Steine, in die die jeweiligen Kolonialmächte die Höhe des Berges haben eingraviert lassen. Amüsanter weise stimmen diese Zahlen nicht überein, so dass die Franzosen mit ihrer Bemessung von 984 Metern, 10 Meter unter der, der Deutschen liegen. Diese wenigen Meter Unterschied, sind letztendlich nicht besonders relevant. Sie spiegeln jedoch gut die Konkurrenz zwischen diesen beiden Besatzungsmächten wieder.

Der Mount Agou ist nämlich insofern ein historischer Ort, da es dort zu Zeiten des ersten Weltkrieges, zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen deutschen, britischen und französischen Truppen gekommen ist. Bei diesen Truppen handelte es sich in der Regel nur um eine kleine Gruppe an Deutschen, die einheimische Männer und Jungen als Söldner rekrutierten und diese für ihre eigenen Ziele kämpfen ließen. Grund für diese gewaltsamen Auseinandersetzungen sei das Ziel der Briten und Franzosen gewesen, die Funkstation der Deutschen als Kommunikationsmittel zu kappen bzw. für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Kekeli nahm uns mit an den Ort, von dem man sagt, dass dort im Jahr 1914 die Truppen der Kolonialmächte aufeinander gestoßen sind und sich anschließend bekriegten. Wie auch in den anderen Städten und Dörfern des Landes, wo es während des 1.Weltkrieges zu Kämpfen gekommen ist, gab es auch am Mont Agou Kriegsverletzte und Tote

. Heute ist an diesem Ort nichts mehr zu sehen, was daran erinnern könnte, was damals an diesem Ort, im Dickicht aus hohen Palmen und Bananenstauden, geschehen ist. Der Mount Agou und insbesondere das Bergdorf Dzigbe, machen ansonsten einen sehr idyllischen Eindruck. Umgeben von einer leuchtend grünen Natur liegt das Dorf direkt in ca. 700 Meter Höhe am Hang des Berges. Die kleinen Lehmhäuser liegen eng nebeneinander und werden durch schmale Wege miteinander verbunden, die aus großen unebenen Steinen bestehen und ziemlich steil sind. Ich musste mich richtig konzentrieren und darauf achten, wo ich meine Füße absetzte, um nicht plötzlich abzurutschen und ins Tal hinunter zu rollen. Aber die Leute von hier, scheinen diese Pfade seit ihrer Kindheit zu kennen, so dass selbst die alten Frauen, die große Körbe oder Wasserkanister auf ihren Köpfen bugsieren, sich mit einer Leichtigkeit auf diesen steinigen Wegen fortbewegen. Die Häuser bestehen häufig nur aus ein und zwei quadratischen Zimmern, doch egal aus welchem Fenster man sieht, hat man einen wunderbaren Blick hinunter ins Tal und kann in der Ferne sogar die ersten Dörfer in Ghana sehen.

Nachdem wir Kekelis Onkel, einen Grundschullehrer des Dorfes, besucht hatten, musste erst noch der Chef des Dorfes begrüßt werden, bevor es weiter zu anderen Hausbesuchen ging. Da Kekeli als Chorleiter für längere Zeit mit dem Jugendchor des Dorfes zusammen gearbeitet hatte, ist er unter den Bewohner sehr bekannt und wurde mit offenen Armen empfangen. So hatten wir die Gelegenheit zu sehen, wie die Leute hier leben und wurden ebenfalls mit einer großen Freundlichkeit begrüßt. Auch wenn es sicherlich nicht immer leicht ist, soweit oben, weit weg von der nächsten Stadt zu leben, hat mich dieses Dorf mit seinen Menschen sehr fasziniert, so dass ich gerne länger geblieben wäre.

 

 

 

 

Fotos findet ihr unter Fotoalben, im Ordner "Mount Agou" :) 

 

Das Zwischenseminar

Autor: Hanna | Datum: 27 Februar 2018, 22:52 | 0 Kommentare

Da nun bereits die Hälfte meiner Zeit in Togo um ist, stand plötzlich schon das Zwischenseminar vor der Tür, welches dieses Jahr zum ersten Mal von der NM selbst organisiert wurde. Dafür sind Hannes Menke, der Generalsekretär der NM, und seine Mitarbeiterin Anneke aus Bremen angereist, um gemeinsam mit uns Freiwilligen eine intensive Seminarwoche in Kpalimé zu verbringen.

Da das Freiwilligenprogramm der NM im Vergleich zu anderen Organisation relativ klein und familiär ist, waren wir anfangs nur zu viert, dass heißt Laura, ich, Merlit und Franziska, die zwei Freiwilligen aus Ghana. Da wir uns lange nicht mehr gesehen haben, war das Wiedersehen wirklich sehr schön. Zumal jeder bereits sehr viel zu erzählen und berichten hatte und es doch schon einige lustigen Geschichten zu hören gab.Da der Schwerpunkt des Seminars, auf der Selbstreflexion  im Bezug auf das vergangene halbe Jahr lag, haben wir mit diesem Thema besonders viel Zeit verbracht und somit nochmal auf manche Dinge einen anderen Blick bekommen.

Besonders interessant wurde es nach zwei Tagen, als die insgesamt acht Süd-Nord Freiwilligen aus Togo und Ghana dazu gestoßen sind, die ab April ein Jahr  in Deutschland  verbringen werden. Dort werden sie genauso wie wir, Freiwilligen hier in Togo/ Ghana, ein Freiwilliges Jahr in einer sozialen Einrichtung verbringen.

Während des Seminars hatten wir genügend Zeit, um uns untereinader auszutauschen und Fragen zu stellen. So haben wir beispielsweise über Kolonialismus, Neoimperalismus und Rassismus gesprochen, Themen die mich interessien und die ich sehr wichtig finde. Im Vordergrund stand aber verständlicherweise, die Vorfreude, auf die abenteuerliche Reise nach Deutschland, die den acht jungen Togoern und Ghanern in diesem Jahr bevorsteht.

Sie sind alle sehr gespannt auf das, was sie dort, in diesem fremden Land,  erwarten wird. Das mag für manch einen etwas komisch klingen, da dort wo man schon immer gelebt hat, einem alles ganz normal und selbstverständlich vorkommt. Aber inzwischen weiß ich aus eigener Erfahrung wie es ist von jetzt auf gleich in eine völlig andere Welt einzutauchen, in der andere (wenn auch oftmals sehr versteckte) kulturelle Regeln gelten.

Deshalb haben wir die gemeinsame Zeit unter anderem dafür genutzt, um den Süd-Nord-Freiwilligen  ein paar „Verhaltenstipps“ zu geben, um das ein oder andere Fettnäpfchen zu vermeiden. So sollte man beispielsweise nicht auf die Idee kommen beim Aldi mit der Verkäuferin hinter der Kasse über den Preis zu diskutieren, wie man es hier sonst überall auf den Märkten tut.  Außerdem sollte man  wissen, dass es in Deutschland definitiv kein Kompliment ist jemandem mit einem freudigen „ Du bist aber dick geworden“ zu begrüßen, was hier durchaus positiv gemeint ist.

Peinliche Situationen  lassen sich während eines Auslandsjahrs sowieso nicht vermeiden, das gehört einfach dazu und ist im Nachhinein meist sehr lustig. Umso mehr freue ich mich auf das Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen, insbesondere den Süd-Nord-Freiwilligen, die wir ebenfalls auf unserem Rückkehrerseminar in Wuppertal wiedersehen werden.

Ich bin schon gespannt wie gut sie sich bis dorthin bei uns in Deutschland eingelebt haben und hoffe, dass es ihnen nicht allzu große Schwierigkeiten bereiten wird, sich gut zu integrieren und sie ebenso herzlich aufgenommen werden, wie man uns in ihren Heimatländern aufgenommen hat.

 

 

Halbzeit

Autor: Hanna | Datum: 25 Februar 2018, 22:48 | 0 Kommentare

 

Ende Februar- nun sind tatsächlich schon über 6 Monate vergangen, seitdem ich mich im August mit Laura an meiner Seite in das weitentfernte Togo aufgemacht habe. Inzwischen ist mir hier vieles sehr vertraut und die Leute sehr ans Herz gewaschen, so dass ich ungern daran denke, dass die Hälfte meines Freiwilligenjahres bereits hinter mir liegt.

 Natürlich hat sich bei uns inzwischen auch eine Art Alltag eingestellt, so dass (anders als in den ersten Monaten) nicht jeden Tag etwas völlig Neues und Unerwartetes passiert. Dennoch ist selten ein Tag wie der andere, da man vorher nie genau weiß, ob man den Nachmittag zur freien Verfügung haben wird, um zum Beispiel auf dem Markt Essen einzukaufen oder endlich mal wieder seine Wäsche zu waschen, oder ob nicht plötzlich wieder 8 unangekündigte Gäste vor der Tür stehen.

 Aber das ist hier so üblich, dass man einfach ohne Ankündigung bei seinen Freunden vorbeischaut. Das mag daran liegen, dass Gastfreundschaft bei den Togoern großgeschrieben wird und es als ganz selbstverständlich gilt, dass man seine Gäste nicht mit leeren Magen wieder nach Hause gehen lässt. Wir können leider meist nur mit solchen simplen „Gerichten“ wie Spaghetti und Couscous mit Avocado dienen, aber dafür wird uns netterweise beim Kochen manchmal von einer Freundin unter die Arme gegriffen.  

Die Jungs aus der Nachbarschaft, die nahezu täglich für 2-3 Stunden vorbeikommen,  interessieren sich zwar auch sehr fürs Kekse und Kuchenbacken, aber ansonsten wir unser Esszimmer oft in ein Tanzstudio umfunktioniert, um diverse Tänze einzuüben. Die Vorlagen für die jeweilige Choreographie schauen sie sich vorher in den zu den Liedern gehörigen Videoclips an, die sich die Jugendlichen hier per Bluetooth von Handy zu Handy schicken. Für mich ist es nach wie vor nicht immer ganz leicht die jeweiligen Schritte richtig nach zu machen, da es in diesem traditionellem Tanzstil sehr viele Bewegungsabfolgen gibt, die ich so vorher noch nie gesehen, geschweige denn getanzt habe. Gefühlt können hier fast alle gut tanzen, aber wenn man sich die kleinen Kinder anschaut, die von klein auf lernen, sich  zum Rhythmus der Musik zu bewegen,  ist das auch nicht besonderes verwunderlich.

Zumal die Leute hier im Alltag wie auch in der Kirche täglich mit Musik in Kontakt kommen. Dafür ist die Straße, an der wir leben ein perfektes Bespiel. Denn die zwei Läden, die jeweils mit einer großen Lautsprecherbox ausgestattet sind, spielen von morgens um 7 bis abends um 23 immer mit dröhnender Lautstärke, die  angesagtesten Lieder. Da man selbst drinnen bei uns im Haus jedes Wort versteht, was draußen gespielt wird, ging uns das die ersten Wochen nach unserer Ankunft ziemlich auf die Nerven.  Das zu muss man sagen, dass in Dauerschleife meist die gleichen Lieder gespielt werden  und die Playlist gefühlt aus weniger als 10 Songs besteht, was für eine ziemlich unabwechslungsreiche  Beschallung sorgt.

Aber inzwischen haben wir uns schon an all diese Geräusche gewöhnt, so dass wir es inzwischen tatsächlich nicht mehr richtig wahrnehmen. Und ob man`s glaubt oder nicht, werde ich vermutlich selbst das vermissen, wenn es in einem halben Jahr wieder nach Hause geht.

 

Dezember- Wanderung zum Berg Kpimé (Kpalimé)

Autor: Hanna | Datum: 08 Januar 2018, 10:09 | 0 Kommentare

Nachdem ich die ersten zwei Dezemberwochen wieder krank  im Bett verbracht habe, stand plötzlich schon die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch wenn man hier und da ein paar bunte Lichterketten entlang der Straße blinken sehen konnte und ab und zu ein Weihnachtslied zu hören war, nahm sonst alles seinen alltäglichen Lauf. In der Schule wurde bis zum 22.12 noch fleißig gearbeitet, da die Schüler in der letzten Schulwoche in jedem Fach eine Klausur zu schreiben hatten. Für uns war das relativ entspannt, da wir nur die Aufsicht machen mussten. Für die Schüler war diese Zeit jedoch ziemlich anstrengend, da pro Tag bis zu 3 Klausuren hintereinander geschrieben wurden.

Umso größer war die Freude, als endlich die zweiwöchigen Ferien begannen. Für den 23. Dezember hatte Kamul, ein Kollege und guter Freund von uns, einen Ausflug nach Kpalimé in die Berge organisiert. Ursprünglich war ein Programm für Jugendliche geplant, was bei vielen Schülern großes Interesse geweckt hat. Doch unerwarteter Weise nahm leider keiner der Schüler am Ausflug teil, was vermutlich an den 7 Euro Fahrtgeld lag, die jeder hätte zahlen müssen. Andere sollten auf dem Wochenmarkt helfen, wo man samstags oft Schüler sieht, die ihren Eltern beim Gemüse verkaufen unterstützen.

Das fand ich wirklich ziemlich schade, da die Jugendlichen hier in Notse  normaler weise nicht viele Freizeitangebote haben. Anderes als bei uns, ist es nicht üblich in den Urlaub zu fahren oder auch nur am Wochenende einen kurzen Tagesausflug zu machen.

Dennoch war es ein wunderbarer Ausflug, der nicht hätte besser sein können. Bereits die Fahrt war ziemlich abenteuerlich. Zwar sind es  von Notse aus nur 70km bis dorthin, doch aufgrund der mit Schlaglöchern übersäten Sandpiste, dauerte die Fahrt wesentlich länger. Als wir nach 2 Stunden ankamen und nacheinander aus dem etwas maroden Taxi  herauskletterten, mussten wir uns erst einmal von dem roten Staub befreien, mit dem wir von  Kopf bis Fuß bedeckt  gewesen waren. Dieser war während der Fahrt durch die offenen Fenster ins Auto geweht und hatte sich hartnäckig an Haut und Kleidung festgesetzt. Das muss ziemlich lustig ausgesehen haben, wie wir dort am Straßenrand standen und uns gegenseitig abklopften, aber es war definitiv notwendig.

Kurz darauf kamen  Kamuls Freunde dazu, mit den wir uns sehr gut verstanden haben. Die meisten von ihnen sind ebenfalls erst Mitte zwanzig, und legten dementsprechend ein recht sportliches Tempo vor, als wir uns in der Mittagshitze aufmachten, den Berg zu besteigen. Trotz des steilen Aufstiegs bei über 36° Grad, zählt dieser Tag zu einem der schönsten, die ich hier bis jetzt erleben durfte. So eine wunderschöne und ursprüngliche Landschaft, habe ich vorher noch nie gesehen.

In dieser sonst menschenleeren Gegend kamen wir an einer kleinen Ansammlung von Lehmhäusern vorbei, die sich ziemlich versteckt in einem Dickicht aus großen Palmen und anderen Pflanzen befindet. Der Innenhof, war bedeckt von unzählig viele schwarzen Kaffeebohnen, die zum Trocken in der Sonne gelegt wurden. Der Kaffe wird hier direkt in den Bergen angebaut und per Hand gepflückt. Das muss eine wirklich sehr anstrenge Arbeit sein, vor der ich großen Respekt habe, zumal der Preis, den die Kaffebauern dafür erhalten sehr gering ist.

Zum krönenden Abschluss, erreichten wir nach über 3 Stunden wandern, endlich den Wasserfall. Zum Glück hatten alle Badesachen dabei, so dass niemand dem angenehm kalten Wasser widerstehen musste. Nach dieser Erfrischung machten wir uns am frühen Abend  wieder auf den Rückweg, wobei wir zusehen konnten, wie am Horizont die Sonne langsam hinter den Bergkuppen unterging. Solche Bilder kennt man sonst nur aus dem Reiseführer, aber so etwas in echt zu erleben, ist wirklich beeindruckend.

 

 

 

November- Die erste Reise

Autor: Hanna | Datum: 06 Dezember 2017, 10:00 | 0 Kommentare

 Nyamasila

Nach über zwei Monaten in Notse, machten wir Anfang November unser erste richtige Reise. Das muss man jedoch sagen, dass es eine recht spontane Aktion war. Unser Chorleiter Kekeli hatte uns die Woche zuvor davon erzählt, dass er demnächst eine Reise in den Norden machen werde, zu der wir ihn gerne begleiten könnten. Da wir weiter nichts Konkretes abgemacht hatten, gingen wir also davon aus, dass sich das wohl fürs erste erledigt hatte.

Umso erstaunter waren wir, als er freitags während wir wieder ein paar Kollegen im Lehrerzimmer Deutschunterricht gaben, plötzlich auf seinem Motorrad zur Schule gefahren kam, um uns mitzuteilen, dass es um halb 3 losgehen kann. Das hat uns schon ein wenig überrumpelt. Aber da es ja erst kurz vor zwei war, hatten wir immerhin noch 30 Minuten um nach Hause zu laufen, Mittagessen zu kochen und anschließend die Rucksäcke zu packen. Nachdem das Omlette in Rekordgeschwindigkeit runter geschlungen wurde, blieben noch genau 10 Minuten um unsere Sachen zu packen. Aber da wir eh nicht wussten wo genau es hingeht und was uns dort erwarten würde, musste ein schneller Handgriff ins Kleiderregal reichen.

Nachdem Kekeli uns abgeholt hatte, dauerte es aber erst noch ein wenig bis wir losfahren konnten. Denn wenn man von Notse aus verreisen möchte, gibt es keinen Bahnhof, Bushaltestelle oder etwas in der Art. Stattdessen stellt man sich an die große Hauptstraße und wartet einfach bis ein Taxi vorbeifährt, aus dem der Fahrer erstens herausruft in welche Richtung er fährt und zweitens an Hand seiner Finger zeigt wie viele Plätze im Auto noch frei sind.

Da jedoch alle Autos entweder in den Süden nach Lomé oder in den Norden in Richtung Atakpame/ Kara fahren, ist die Auswahl an Mitfahrgelegenheiten immer ziemlich groß.  Nach 40 Minuten warten, hielt dann ein ziemlich in die Jahre gekommener Kleinbus an, auf dessen Dach bereits ein über 2 Meter hoher Berg aus Gepäck gestapelt worden war. Unsere Rucksäcke wurden uns freundlicherweise gleich aus der Hand genommen und mit auf dem Dach befestigt. 

Als die Wagentür geöffnet wurde und uns bereits über 19 Leute aus dem Inneren des Busses heraus anschauten, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wo dort noch drei Plätze für uns  zu finden sein sollten. Aber das war alles kein Problem, es wurde einfach etwas enger zusammengerückt, so dass wir (wenn auch reichlich gequetscht) noch mit ins Auto passten.

Auch wenn diese Art zu reisen anfangs etwas ungewohnt sein mag, ist es doch immer wieder spannend zu sehen, auf welche Leute trifft, und was sonst noch Unerwartetes passiert. So kann es beispielsweis vorkommen, dass einem während der Fahrt plötzlich ein Hahn zwischen den Beinen umherstreift, der als blinder Passagier im Kofferraum mitfährt. Aber wer mich kennt, weiß ja dass ich schon immer einen guten Draht zu Hühnern hatte.

 

Die Fahrt dauerte circa 4 Stunden, was mir aber wesentlich kürzer vorkam. Auf der Hälfte der Strecke wurde ein kurzer Halt in Atakpamé gemacht.  Der Kleinbus war noch nicht einmal zum Stehen gekommen, als bereits von allen Seiten Frauen heran gelaufen kamen, um  z.B Wasser, Bananen oder andere Wegzehrungen zu verkaufen. Dazu gehörte auch 50cm großes Weißbrot.

In Nyamasila angekommen, haben wir gleich einigen Freunde und Bekannte von Kekeli einen kurzen Besuch abgestattet. Doch da es schon dunkel war und es an diesem Abend keinen Strom gab, konnten wir weder von den Leuten noch von der Gegend viel erkennen.

Aber nach so einer aufregenden Reise waren wir abends ziemlich müde und konnten schnell auf  den Strohmatratzen einschlafen, die man uns netterweise gegeben hatte. In der Nacht hielt uns jedoch der Gesang eines Muezzins wach, der von dem lauten Geplärr eines jungen Ziegenbocks unterstützt wurde, welcher der Lautstärke zufolge direkt vor dem Fenster stand.  Aber laut Kekeli ist das wohl ganz normal, wenn Böcke ein  Weibchen mit ihren“Gesängen“ beeindrucken wollen.

Da es in Nymasila, wie in den meisten Dörfern, kein fließend Wasser gibt, sind die Toiletten und  Duschen etwas anders. So wurden uns zum Duschen zwei große Eimer mit Wasser in die Hand gedrückt,  mit denen wir  zur Duschkabine geschickt wurden, die man sich wie ein halbhoch  gemauertes Karré vorstellen kann. Ich fand es zwar anfangs etwas irritierend, dass die Dusche nach oben offen ist, sodass jeder im Vorbeigehen sehen kann, wer gerade dabei ist sich zu waschen.  Andererseits duscht man nicht alle Tage unter freiem Himmel mit Blick auf  große Palmen, was durchaus etwas Besonderes ist.

Der eigentliche Anlass für unseren Besuch war die gemeinsame Chorprobe mit dem Grande Chorale Nyamasilas. Mit einigen Extraproben sollte Kekeli den Chor auf ein bevorstehendes Konzert vorbereiten. Da wir in mit dem Jugendchor in Notse teilweise die gleichen Lieder singen, konnten wir die Gelegenheit gut nutzen um die Texte und Tänze mit einzuüben, was wirklich viel Spaß gemacht hat.

Obwohl wir nach nur weniger als 2 Tage dort waren, haben wir wieder viele aufgeschlossene und gastfreundliche Menschen kennengerlernt. Auch wenn das Leben auf dem Dorf auf Dauer sicherlich nicht immer leicht ist, hätte ich gerne  etwas mehr Zeit dort verbracht, um mehr darüber erfahren, wie es sich in einem togoischen Dorf lebt.

 

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