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Das Zwischenseminar

Autor: Hanna | Datum: 27 Februar 2018, 22:52 | 0 Kommentare

Da nun bereits die Hälfte meiner Zeit in Togo um ist, stand plötzlich schon das Zwischenseminar vor der Tür, welches dieses Jahr zum ersten Mal von der NM selbst organisiert wurde. Dafür sind Hannes Menke, der Generalsekretär der NM, und seine Mitarbeiterin Anneke aus Bremen angereist, um gemeinsam mit uns Freiwilligen eine intensive Seminarwoche in Kpalimé zu verbringen.

Da das Freiwilligenprogramm der NM im Vergleich zu anderen Organisation relativ klein und familiär ist, waren wir anfangs nur zu viert, dass heißt Laura, ich, Merlit und Franziska, die zwei Freiwilligen aus Ghana. Da wir uns lange nicht mehr gesehen haben, war das Wiedersehen wirklich sehr schön. Zumal jeder bereits sehr viel zu erzählen und berichten hatte und es doch schon einige lustigen Geschichten zu hören gab.Da der Schwerpunkt des Seminars, auf der Selbstreflexion  im Bezug auf das vergangene halbe Jahr lag, haben wir mit diesem Thema besonders viel Zeit verbracht und somit nochmal auf manche Dinge einen anderen Blick bekommen.

Besonders interessant wurde es nach zwei Tagen, als die insgesamt acht Süd-Nord Freiwilligen aus Togo und Ghana dazu gestoßen sind, die ab April ein Jahr  in Deutschland  verbringen werden. Dort werden sie genauso wie wir, Freiwilligen hier in Togo/ Ghana, ein Freiwilliges Jahr in einer sozialen Einrichtung verbringen.

Während des Seminars hatten wir genügend Zeit, um uns untereinader auszutauschen und Fragen zu stellen. So haben wir beispielsweise über Kolonialismus, Neoimperalismus und Rassismus gesprochen, Themen die mich interessien und die ich sehr wichtig finde. Im Vordergrund stand aber verständlicherweise, die Vorfreude, auf die abenteuerliche Reise nach Deutschland, die den acht jungen Togoern und Ghanern in diesem Jahr bevorsteht.

Sie sind alle sehr gespannt auf das, was sie dort, in diesem fremden Land,  erwarten wird. Das mag für manch einen etwas komisch klingen, da dort wo man schon immer gelebt hat, einem alles ganz normal und selbstverständlich vorkommt. Aber inzwischen weiß ich aus eigener Erfahrung wie es ist von jetzt auf gleich in eine völlig andere Welt einzutauchen, in der andere (wenn auch oftmals sehr versteckte) kulturelle Regeln gelten.

Deshalb haben wir die gemeinsame Zeit unter anderem dafür genutzt, um den Süd-Nord-Freiwilligen  ein paar „Verhaltenstipps“ zu geben, um das ein oder andere Fettnäpfchen zu vermeiden. So sollte man beispielsweise nicht auf die Idee kommen beim Aldi mit der Verkäuferin hinter der Kasse über den Preis zu diskutieren, wie man es hier sonst überall auf den Märkten tut.  Außerdem sollte man  wissen, dass es in Deutschland definitiv kein Kompliment ist jemandem mit einem freudigen „ Du bist aber dick geworden“ zu begrüßen, was hier durchaus positiv gemeint ist.

Peinliche Situationen  lassen sich während eines Auslandsjahrs sowieso nicht vermeiden, das gehört einfach dazu und ist im Nachhinein meist sehr lustig. Umso mehr freue ich mich auf das Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen, insbesondere den Süd-Nord-Freiwilligen, die wir ebenfalls auf unserem Rückkehrerseminar in Wuppertal wiedersehen werden.

Ich bin schon gespannt wie gut sie sich bis dorthin bei uns in Deutschland eingelebt haben und hoffe, dass es ihnen nicht allzu große Schwierigkeiten bereiten wird, sich gut zu integrieren und sie ebenso herzlich aufgenommen werden, wie man uns in ihren Heimatländern aufgenommen hat.

 

 

Halbzeit

Autor: Hanna | Datum: 25 Februar 2018, 22:48 | 0 Kommentare

 

Ende Februar- nun sind tatsächlich schon über 6 Monate vergangen, seitdem ich mich im August mit Laura an meiner Seite in das weitentfernte Togo aufgemacht habe. Inzwischen ist mir hier vieles sehr vertraut und die Leute sehr ans Herz gewaschen, so dass ich ungern daran denke, dass die Hälfte meines Freiwilligenjahres bereits hinter mir liegt.

 Natürlich hat sich bei uns inzwischen auch eine Art Alltag eingestellt, so dass (anders als in den ersten Monaten) nicht jeden Tag etwas völlig Neues und Unerwartetes passiert. Dennoch ist selten ein Tag wie der andere, da man vorher nie genau weiß, ob man den Nachmittag zur freien Verfügung haben wird, um zum Beispiel auf dem Markt Essen einzukaufen oder endlich mal wieder seine Wäsche zu waschen, oder ob nicht plötzlich wieder 8 unangekündigte Gäste vor der Tür stehen.

 Aber das ist hier so üblich, dass man einfach ohne Ankündigung bei seinen Freunden vorbeischaut. Das mag daran liegen, dass Gastfreundschaft bei den Togoern großgeschrieben wird und es als ganz selbstverständlich gilt, dass man seine Gäste nicht mit leeren Magen wieder nach Hause gehen lässt. Wir können leider meist nur mit solchen simplen „Gerichten“ wie Spaghetti und Couscous mit Avocado dienen, aber dafür wird uns netterweise beim Kochen manchmal von einer Freundin unter die Arme gegriffen.  

Die Jungs aus der Nachbarschaft, die nahezu täglich für 2-3 Stunden vorbeikommen,  interessieren sich zwar auch sehr fürs Kekse und Kuchenbacken, aber ansonsten wir unser Esszimmer oft in ein Tanzstudio umfunktioniert, um diverse Tänze einzuüben. Die Vorlagen für die jeweilige Choreographie schauen sie sich vorher in den zu den Liedern gehörigen Videoclips an, die sich die Jugendlichen hier per Bluetooth von Handy zu Handy schicken. Für mich ist es nach wie vor nicht immer ganz leicht die jeweiligen Schritte richtig nach zu machen, da es in diesem traditionellem Tanzstil sehr viele Bewegungsabfolgen gibt, die ich so vorher noch nie gesehen, geschweige denn getanzt habe. Gefühlt können hier fast alle gut tanzen, aber wenn man sich die kleinen Kinder anschaut, die von klein auf lernen, sich  zum Rhythmus der Musik zu bewegen,  ist das auch nicht besonderes verwunderlich.

Zumal die Leute hier im Alltag wie auch in der Kirche täglich mit Musik in Kontakt kommen. Dafür ist die Straße, an der wir leben ein perfektes Bespiel. Denn die zwei Läden, die jeweils mit einer großen Lautsprecherbox ausgestattet sind, spielen von morgens um 7 bis abends um 23 immer mit dröhnender Lautstärke, die  angesagtesten Lieder. Da man selbst drinnen bei uns im Haus jedes Wort versteht, was draußen gespielt wird, ging uns das die ersten Wochen nach unserer Ankunft ziemlich auf die Nerven.  Das zu muss man sagen, dass in Dauerschleife meist die gleichen Lieder gespielt werden  und die Playlist gefühlt aus weniger als 10 Songs besteht, was für eine ziemlich unabwechslungsreiche  Beschallung sorgt.

Aber inzwischen haben wir uns schon an all diese Geräusche gewöhnt, so dass wir es inzwischen tatsächlich nicht mehr richtig wahrnehmen. Und ob man`s glaubt oder nicht, werde ich vermutlich selbst das vermissen, wenn es in einem halben Jahr wieder nach Hause geht.

 

Dezember- Wanderung zum Berg Kpimé (Kpalimé)

Autor: Hanna | Datum: 08 Januar 2018, 10:09 | 0 Kommentare

Nachdem ich die ersten zwei Dezemberwochen wieder krank  im Bett verbracht habe, stand plötzlich schon die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch wenn man hier und da ein paar bunte Lichterketten entlang der Straße blinken sehen konnte und ab und zu ein Weihnachtslied zu hören war, nahm sonst alles seinen alltäglichen Lauf. In der Schule wurde bis zum 22.12 noch fleißig gearbeitet, da die Schüler in der letzten Schulwoche in jedem Fach eine Klausur zu schreiben hatten. Für uns war das relativ entspannt, da wir nur die Aufsicht machen mussten. Für die Schüler war diese Zeit jedoch ziemlich anstrengend, da pro Tag bis zu 3 Klausuren hintereinander geschrieben wurden.

Umso größer war die Freude, als endlich die zweiwöchigen Ferien begannen. Für den 23. Dezember hatte Kamul, ein Kollege und guter Freund von uns, einen Ausflug nach Kpalimé in die Berge organisiert. Ursprünglich war ein Programm für Jugendliche geplant, was bei vielen Schülern großes Interesse geweckt hat. Doch unerwarteter Weise nahm leider keiner der Schüler am Ausflug teil, was vermutlich an den 7 Euro Fahrtgeld lag, die jeder hätte zahlen müssen. Andere sollten auf dem Wochenmarkt helfen, wo man samstags oft Schüler sieht, die ihren Eltern beim Gemüse verkaufen unterstützen.

Das fand ich wirklich ziemlich schade, da die Jugendlichen hier in Notse  normaler weise nicht viele Freizeitangebote haben. Anderes als bei uns, ist es nicht üblich in den Urlaub zu fahren oder auch nur am Wochenende einen kurzen Tagesausflug zu machen.

Dennoch war es ein wunderbarer Ausflug, der nicht hätte besser sein können. Bereits die Fahrt war ziemlich abenteuerlich. Zwar sind es  von Notse aus nur 70km bis dorthin, doch aufgrund der mit Schlaglöchern übersäten Sandpiste, dauerte die Fahrt wesentlich länger. Als wir nach 2 Stunden ankamen und nacheinander aus dem etwas maroden Taxi  herauskletterten, mussten wir uns erst einmal von dem roten Staub befreien, mit dem wir von  Kopf bis Fuß bedeckt  gewesen waren. Dieser war während der Fahrt durch die offenen Fenster ins Auto geweht und hatte sich hartnäckig an Haut und Kleidung festgesetzt. Das muss ziemlich lustig ausgesehen haben, wie wir dort am Straßenrand standen und uns gegenseitig abklopften, aber es war definitiv notwendig.

Kurz darauf kamen  Kamuls Freunde dazu, mit den wir uns sehr gut verstanden haben. Die meisten von ihnen sind ebenfalls erst Mitte zwanzig, und legten dementsprechend ein recht sportliches Tempo vor, als wir uns in der Mittagshitze aufmachten, den Berg zu besteigen. Trotz des steilen Aufstiegs bei über 36° Grad, zählt dieser Tag zu einem der schönsten, die ich hier bis jetzt erleben durfte. So eine wunderschöne und ursprüngliche Landschaft, habe ich vorher noch nie gesehen.

In dieser sonst menschenleeren Gegend kamen wir an einer kleinen Ansammlung von Lehmhäusern vorbei, die sich ziemlich versteckt in einem Dickicht aus großen Palmen und anderen Pflanzen befindet. Der Innenhof, war bedeckt von unzählig viele schwarzen Kaffeebohnen, die zum Trocken in der Sonne gelegt wurden. Der Kaffe wird hier direkt in den Bergen angebaut und per Hand gepflückt. Das muss eine wirklich sehr anstrenge Arbeit sein, vor der ich großen Respekt habe, zumal der Preis, den die Kaffebauern dafür erhalten sehr gering ist.

Zum krönenden Abschluss, erreichten wir nach über 3 Stunden wandern, endlich den Wasserfall. Zum Glück hatten alle Badesachen dabei, so dass niemand dem angenehm kalten Wasser widerstehen musste. Nach dieser Erfrischung machten wir uns am frühen Abend  wieder auf den Rückweg, wobei wir zusehen konnten, wie am Horizont die Sonne langsam hinter den Bergkuppen unterging. Solche Bilder kennt man sonst nur aus dem Reiseführer, aber so etwas in echt zu erleben, ist wirklich beeindruckend.

 

 

 

November- Die erste Reise

Autor: Hanna | Datum: 06 Dezember 2017, 10:00 | 0 Kommentare

 Nyamasila

Nach über zwei Monaten in Notse, machten wir Anfang November unser erste richtige Reise. Das muss man jedoch sagen, dass es eine recht spontane Aktion war. Unser Chorleiter Kekeli hatte uns die Woche zuvor davon erzählt, dass er demnächst eine Reise in den Norden machen werde, zu der wir ihn gerne begleiten könnten. Da wir weiter nichts Konkretes abgemacht hatten, gingen wir also davon aus, dass sich das wohl fürs erste erledigt hatte.

Umso erstaunter waren wir, als er freitags während wir wieder ein paar Kollegen im Lehrerzimmer Deutschunterricht gaben, plötzlich auf seinem Motorrad zur Schule gefahren kam, um uns mitzuteilen, dass es um halb 3 losgehen kann. Das hat uns schon ein wenig überrumpelt. Aber da es ja erst kurz vor zwei war, hatten wir immerhin noch 30 Minuten um nach Hause zu laufen, Mittagessen zu kochen und anschließend die Rucksäcke zu packen. Nachdem das Omlette in Rekordgeschwindigkeit runter geschlungen wurde, blieben noch genau 10 Minuten um unsere Sachen zu packen. Aber da wir eh nicht wussten wo genau es hingeht und was uns dort erwarten würde, musste ein schneller Handgriff ins Kleiderregal reichen.

Nachdem Kekeli uns abgeholt hatte, dauerte es aber erst noch ein wenig bis wir losfahren konnten. Denn wenn man von Notse aus verreisen möchte, gibt es keinen Bahnhof, Bushaltestelle oder etwas in der Art. Stattdessen stellt man sich an die große Hauptstraße und wartet einfach bis ein Taxi vorbeifährt, aus dem der Fahrer erstens herausruft in welche Richtung er fährt und zweitens an Hand seiner Finger zeigt wie viele Plätze im Auto noch frei sind.

Da jedoch alle Autos entweder in den Süden nach Lomé oder in den Norden in Richtung Atakpame/ Kara fahren, ist die Auswahl an Mitfahrgelegenheiten immer ziemlich groß.  Nach 40 Minuten warten, hielt dann ein ziemlich in die Jahre gekommener Kleinbus an, auf dessen Dach bereits ein über 2 Meter hoher Berg aus Gepäck gestapelt worden war. Unsere Rucksäcke wurden uns freundlicherweise gleich aus der Hand genommen und mit auf dem Dach befestigt. 

Als die Wagentür geöffnet wurde und uns bereits über 19 Leute aus dem Inneren des Busses heraus anschauten, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wo dort noch drei Plätze für uns  zu finden sein sollten. Aber das war alles kein Problem, es wurde einfach etwas enger zusammengerückt, so dass wir (wenn auch reichlich gequetscht) noch mit ins Auto passten.

Auch wenn diese Art zu reisen anfangs etwas ungewohnt sein mag, ist es doch immer wieder spannend zu sehen, auf welche Leute trifft, und was sonst noch Unerwartetes passiert. So kann es beispielsweis vorkommen, dass einem während der Fahrt plötzlich ein Hahn zwischen den Beinen umherstreift, der als blinder Passagier im Kofferraum mitfährt. Aber wer mich kennt, weiß ja dass ich schon immer einen guten Draht zu Hühnern hatte.

 

Die Fahrt dauerte circa 4 Stunden, was mir aber wesentlich kürzer vorkam. Auf der Hälfte der Strecke wurde ein kurzer Halt in Atakpamé gemacht.  Der Kleinbus war noch nicht einmal zum Stehen gekommen, als bereits von allen Seiten Frauen heran gelaufen kamen, um  z.B Wasser, Bananen oder andere Wegzehrungen zu verkaufen. Dazu gehörte auch 50cm großes Weißbrot.

In Nyamasila angekommen, haben wir gleich einigen Freunde und Bekannte von Kekeli einen kurzen Besuch abgestattet. Doch da es schon dunkel war und es an diesem Abend keinen Strom gab, konnten wir weder von den Leuten noch von der Gegend viel erkennen.

Aber nach so einer aufregenden Reise waren wir abends ziemlich müde und konnten schnell auf  den Strohmatratzen einschlafen, die man uns netterweise gegeben hatte. In der Nacht hielt uns jedoch der Gesang eines Muezzins wach, der von dem lauten Geplärr eines jungen Ziegenbocks unterstützt wurde, welcher der Lautstärke zufolge direkt vor dem Fenster stand.  Aber laut Kekeli ist das wohl ganz normal, wenn Böcke ein  Weibchen mit ihren“Gesängen“ beeindrucken wollen.

Da es in Nymasila, wie in den meisten Dörfern, kein fließend Wasser gibt, sind die Toiletten und  Duschen etwas anders. So wurden uns zum Duschen zwei große Eimer mit Wasser in die Hand gedrückt,  mit denen wir  zur Duschkabine geschickt wurden, die man sich wie ein halbhoch  gemauertes Karré vorstellen kann. Ich fand es zwar anfangs etwas irritierend, dass die Dusche nach oben offen ist, sodass jeder im Vorbeigehen sehen kann, wer gerade dabei ist sich zu waschen.  Andererseits duscht man nicht alle Tage unter freiem Himmel mit Blick auf  große Palmen, was durchaus etwas Besonderes ist.

Der eigentliche Anlass für unseren Besuch war die gemeinsame Chorprobe mit dem Grande Chorale Nyamasilas. Mit einigen Extraproben sollte Kekeli den Chor auf ein bevorstehendes Konzert vorbereiten. Da wir in mit dem Jugendchor in Notse teilweise die gleichen Lieder singen, konnten wir die Gelegenheit gut nutzen um die Texte und Tänze mit einzuüben, was wirklich viel Spaß gemacht hat.

Obwohl wir nach nur weniger als 2 Tage dort waren, haben wir wieder viele aufgeschlossene und gastfreundliche Menschen kennengerlernt. Auch wenn das Leben auf dem Dorf auf Dauer sicherlich nicht immer leicht ist, hätte ich gerne  etwas mehr Zeit dort verbracht, um mehr darüber erfahren, wie es sich in einem togoischen Dorf lebt.

 

Der Schulanfang

Autor: Hanna | Datum: 19 Oktober 2017, 14:54 | 0 Kommentare

Der erste Schultag

Am 02.10 war es dann soweit, die Ferien waren vorbei und die Schule sollte beginnen. Noch etwas müde krochen wir morgens um 5 Uhr aus unseren Betten, aber es dauerte nicht lange, bis auch ein wenig Aufregung aufkam. Heute würden wir zum ersten Mal unsere Schüler sehen und die anderen Lehrer kennenlernen.

Der Weg zur Schule ist zum Glück nicht weit, so dass wir nach knapp 6 Minuten Fußweg pünktlich vorm Hauptgebäude standen. Viel war noch nicht los, auch wenn planmäßig um halb 7 ein Gottesdienst das neue Schuljahr einleiten sollte. Nach und nach trafen vereinzelte Schülergruppen ein, bis dann um halb 8 nahezu alle da waren. Per Pfiff wurden die mehr als 600 Schüler dazu aufgefordert sich klassenweise in Reihen aufzustellen. Alle tragen eine Schuluniform, die Jungs ein beiges Hemd mit Hose und die Mädchen einen Rock mit einer blauen Bluse.

Nachdem der Schulpastor ein paar Minuten gepredigt hatte, kam ein Lehrer nach vorne und ermahnte die Schüler in einem Appell dazu, sich im neuen Schuljahr anständig zu verhalten, da dies schließlich eine protestantische Schule sei, und sich die Schüler dementsprechend zu verhalten haben.

Kurz darauf wurden drei Schülerinnen nach vorne gebracht und blieben mit gesenktem Kopf vor der gesamten Schülerschaft stehen. Da wir den Grund dafür nicht verstanden haben, fragten wir einen der Lehrer, der uns daraufhin erklärte, dass es in der Schule nicht erlaubt ist längere Haare oder zu Zöpfen geflochtene Extensions zu tragen. Die Mädchen haben nun eine Woche Zeit um sich ihre Haare kurz zu schneiden, so wie es in fast allen Schulen Togos vorgeschrieben ist.

Als im abschießenden Gebet ein Sechstklässler zu laut mit seinen Kumpels Quatsch gemacht hatte, wurde dieser vom Pastor ebenfalls nach vorne zitiert. Er sollte laut das Vaterunser aufsagen, da der Pastor ihn jedoch ständig unterbrochen hat und dazu aufforderte lauter und deutlicher zu sprechen, fielen ihm nur wenige Worte ein. Seine Freunde und die restlichen Klassen fanden das offensichtlich sehr amüsant, was ich absolut nicht nachvollziehen kann.

 

Die erste Unterrichtsstunde

Am Dienstag sollten wir dann zum ersten Mal unterrichten. Wir geben Deutschunterricht in insgesamt acht Klassen von der 6ième bis zur 3ième, was in Deutschland den Stufen 5 bis 8 entspricht. Dieser Unterricht ist für die Schüler verpflichtend, wird jedoch nicht richtig benotet, da für die unteren Klassen offiziell kein Deutschunterricht vorgeschrieben ist und es dafür nicht genügend Deutschlehrer gibt. In den oberen Klassen, der Seconde und der Premier (Stufe 9 und 10) wird der Deutschunterricht benotet und fließt mit in das Abschlusszeugnis ein. Dort unterrichtet Herr Woglo, auf dessen Unterricht wir Freiwilligen die Schüler aus den unteren Stufen vorbereiten sollen.

Da in den drei Schulgebäude nicht genügend Platz für die insgesamt 12 Klassen ist und noch Geld für ein weiteres Gebäude fehlt, sind die Klassen 6ième A, B und 5ième A, B jeweils gemeinsam in einem Raum untergebracht. Das ist insofern etwas unpraktisch, weil uns eigentlich verschiedene Stunden für Klasse A und B zugeteilt wurden sind, wir nun aber beide gleichzeitig unterrichten müssen.

Für die Schüler ist das auch ziemlich anstrengend, weil sie nun doppelt so viele Deutschstunden haben, was nicht unbedingt zu mehr Motivation beiträgt. Die Klassen sind ziemlich groß (um die 100 Schüler) was zur Folge hat, dass die hinteren Reihen oft nicht verstehen können, was der Lehrer vorne sagt und deshalb schnell abgelenkt sind. Da zwei der Gebäude zu beiden Seiten offen sind, kommt der Lärm aus den anderen Klassen auch noch dazu. Wir geben uns also immer sehr viel Mühe sehr laut und ganz deutlich zu sprechen.

Die erste Stunde hatten wir dann in der 5ième (6.Klasse), wo dann ca 120 Schüler vor uns standen und uns mit einem lauten „ Bonjour Mesdames!“ begrüßten. Nachdem sich alle wieder hingesetzt hatten, stellten wir uns kurz vor und fingen damit an, einfache Fragen wie z.B „Wie heißt du?“ oder „Wie alt bist du?“ zu wiederholen. Wie sich dabei herausstellte, sind auch Schüler dabei, die genauso alt oder älter sind als ich, was mich doch sehr überrascht hat.

Manche Schüler werden jedoch erst recht später eingeschult oder arbeiten zwischendurch, so dass es nicht ganz unüblich zu sein scheint, mit 18 in die 6. Klasse zu gehen. Der Großteil der Klasse ist jedoch zwischen 12-15 Jahre alt. Auch wenn es ziemlich viele Schüler auf einmal sind, kommt einem die Klasse zum Glück nicht ganz so groß vor, was vermutlich daran liegt, dass sich meist zu dritt eine Sitzbank geteilt wird.

Dafür, dass es unsere erste Stunde war und wir im Französischen immer noch etwas unsicher sind, waren wir mit dem Ergebnis jedoch recht zufrieden. Die meisten Schüler haben sehr gut mitgearbeitet, vor allem die Kleinen aus den vorderen Reihen reckten oft ihre Hände in die Höhe und riefen“ ich, ich“ um endlich drangenommen zu werden. Das hat uns sehr gefreut, denn es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass sie motiviert mitarbeiten und gerne eine neue Sprache lernen möchten.

 

Deutschunterricht bei Monsieur Woglo

Die circa 20 Lehrer, die hier am College Protestant unterrichten, haben wir inzwischen auch kennengelernt und verstehen uns recht gut mit ihnen. Lehrerinnen gibt es an dieser Schule nicht, was mich etwas verwundert hat. Wie man uns erklärte, unterrichten diese jedoch häufig an Grundschulen.

Wie ich oben schon erwähnt habe, wird die Premiere und Seconde von einem richtigen Deutschlehrer, Monsieur Woglo unterrichtet. Ich finde es ziemlich beeindruckend, wie gut und nahezu akzentfrei sein Deutsch ist. Dabei ist er selbst nie in Deutschland gewesen. Sein Unterricht in der Premiere ist durchaus anspruchsvoll, aber die Schüler arbeiten ziemlich gut mit und scheinen ein gutes Verhältnis zu ihrem Lehrer zu haben.

Es ist wirklich sehr interessant zu sehen, wie der Deutschunterricht hier abläuft, weshalb wir nun öfters in seinen Stunden zuschauen werden. Es ist eine gute Gelegenheit um Anregungen für den eigenen Unterricht zu sammeln, zumal wir als Muttersprachler auch noch so Manches dazu lernen können. So schauten Laura und ich uns beispielsweise ziemlich ratlos an, als Monsieur Woglo uns fragte, wie viele Modalverben es im Deutschen gibt. Das Fragezeichen stand uns vermutlich recht groß auf die Stirn geschrieben, aber so hatten wir immerhin alle etwas zum Lachen.

Aber wie der Schulleiter, Monsieur Alotsi, bei unserer Vorstellung schon richtig sagte, sind wir zwar da, um den Schülern etwas beizubringen, aber ebenso um von ihnen zu lernen. Das trifft es finde ich sehr gut und ich bin schon gespannt auf die kommenden Wochen.

 

 

 

*In meinem Foto-Ordner findet ihr noch ein paar Bilder von der Schule, die doch etwas anderes aussieht, als man es sich vielleicht vorstellt.

 

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