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November- Die erste Reise

Autor: Hanna | Datum: 06 Dezember 2017, 10:00 | 0 Kommentare

 Nyamasila

Nach über zwei Monaten in Notse, machten wir Anfang November unser erste richtige Reise. Das muss man jedoch sagen, dass es eine recht spontane Aktion war. Unser Chorleiter Kekeli hatte uns die Woche zuvor davon erzählt, dass er demnächst eine Reise in den Norden machen werde, zu der wir ihn gerne begleiten könnten. Da wir weiter nichts Konkretes abgemacht hatten, gingen wir also davon aus, dass sich das wohl fürs erste erledigt hatte.

Umso erstaunter waren wir, als er freitags während wir wieder ein paar Kollegen im Lehrerzimmer Deutschunterricht gaben, plötzlich auf seinem Motorrad zur Schule gefahren kam, um uns mitzuteilen, dass es um halb 3 losgehen kann. Das hat uns schon ein wenig überrumpelt. Aber da es ja erst kurz vor zwei war, hatten wir immerhin noch 30 Minuten um nach Hause zu laufen, Mittagessen zu kochen und anschließend die Rucksäcke zu packen. Nachdem das Omlette in Rekordgeschwindigkeit runter geschlungen wurde, blieben noch genau 10 Minuten um unsere Sachen zu packen. Aber da wir eh nicht wussten wo genau es hingeht und was uns dort erwarten würde, musste ein schneller Handgriff ins Kleiderregal reichen.

Nachdem Kekeli uns abgeholt hatte, dauerte es aber erst noch ein wenig bis wir losfahren konnten. Denn wenn man von Notse aus verreisen möchte, gibt es keinen Bahnhof, Bushaltestelle oder etwas in der Art. Stattdessen stellt man sich an die große Hauptstraße und wartet einfach bis ein Taxi vorbeifährt, aus dem der Fahrer erstens herausruft in welche Richtung er fährt und zweitens an Hand seiner Finger zeigt wie viele Plätze im Auto noch frei sind.

Da jedoch alle Autos entweder in den Süden nach Lomé oder in den Norden in Richtung Atakpame/ Kara fahren, ist die Auswahl an Mitfahrgelegenheiten immer ziemlich groß.  Nach 40 Minuten warten, hielt dann ein ziemlich in die Jahre gekommener Kleinbus an, auf dessen Dach bereits ein über 2 Meter hoher Berg aus Gepäck gestapelt worden war. Unsere Rucksäcke wurden uns freundlicherweise gleich aus der Hand genommen und mit auf dem Dach befestigt. 

Als die Wagentür geöffnet wurde und uns bereits über 19 Leute aus dem Inneren des Busses heraus anschauten, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wo dort noch drei Plätze für uns  zu finden sein sollten. Aber das war alles kein Problem, es wurde einfach etwas enger zusammengerückt, so dass wir (wenn auch reichlich gequetscht) noch mit ins Auto passten.

Auch wenn diese Art zu reisen anfangs etwas ungewohnt sein mag, ist es doch immer wieder spannend zu sehen, auf welche Leute trifft, und was sonst noch Unerwartetes passiert. So kann es beispielsweis vorkommen, dass einem während der Fahrt plötzlich ein Hahn zwischen den Beinen umherstreift, der als blinder Passagier im Kofferraum mitfährt. Aber wer mich kennt, weiß ja dass ich schon immer einen guten Draht zu Hühnern hatte.

 

Die Fahrt dauerte circa 4 Stunden, was mir aber wesentlich kürzer vorkam. Auf der Hälfte der Strecke wurde ein kurzer Halt in Atakpamé gemacht.  Der Kleinbus war noch nicht einmal zum Stehen gekommen, als bereits von allen Seiten Frauen heran gelaufen kamen, um  z.B Wasser, Bananen oder andere Wegzehrungen zu verkaufen. Dazu gehörte auch 50cm großes Weißbrot.

In Nyamasila angekommen, haben wir gleich einigen Freunde und Bekannte von Kekeli einen kurzen Besuch abgestattet. Doch da es schon dunkel war und es an diesem Abend keinen Strom gab, konnten wir weder von den Leuten noch von der Gegend viel erkennen.

Aber nach so einer aufregenden Reise waren wir abends ziemlich müde und konnten schnell auf  den Strohmatratzen einschlafen, die man uns netterweise gegeben hatte. In der Nacht hielt uns jedoch der Gesang eines Muezzins wach, der von dem lauten Geplärr eines jungen Ziegenbocks unterstützt wurde, welcher der Lautstärke zufolge direkt vor dem Fenster stand.  Aber laut Kekeli ist das wohl ganz normal, wenn Böcke ein  Weibchen mit ihren“Gesängen“ beeindrucken wollen.

Da es in Nymasila, wie in den meisten Dörfern, kein fließend Wasser gibt, sind die Toiletten und  Duschen etwas anders. So wurden uns zum Duschen zwei große Eimer mit Wasser in die Hand gedrückt,  mit denen wir  zur Duschkabine geschickt wurden, die man sich wie ein halbhoch  gemauertes Karré vorstellen kann. Ich fand es zwar anfangs etwas irritierend, dass die Dusche nach oben offen ist, sodass jeder im Vorbeigehen sehen kann, wer gerade dabei ist sich zu waschen.  Andererseits duscht man nicht alle Tage unter freiem Himmel mit Blick auf  große Palmen, was durchaus etwas Besonderes ist.

Der eigentliche Anlass für unseren Besuch war die gemeinsame Chorprobe mit dem Grande Chorale Nyamasilas. Mit einigen Extraproben sollte Kekeli den Chor auf ein bevorstehendes Konzert vorbereiten. Da wir in mit dem Jugendchor in Notse teilweise die gleichen Lieder singen, konnten wir die Gelegenheit gut nutzen um die Texte und Tänze mit einzuüben, was wirklich viel Spaß gemacht hat.

Obwohl wir nach nur weniger als 2 Tage dort waren, haben wir wieder viele aufgeschlossene und gastfreundliche Menschen kennengerlernt. Auch wenn das Leben auf dem Dorf auf Dauer sicherlich nicht immer leicht ist, hätte ich gerne  etwas mehr Zeit dort verbracht, um mehr darüber erfahren, wie es sich in einem togoischen Dorf lebt.