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Das Zwischenseminar

Autor: Hanna | Datum: 27 Februar 2018, 22:52 | 0 Kommentare

Da nun bereits die Hälfte meiner Zeit in Togo um ist, stand plötzlich schon das Zwischenseminar vor der Tür, welches dieses Jahr zum ersten Mal von der NM selbst organisiert wurde. Dafür sind Hannes Menke, der Generalsekretär der NM, und seine Mitarbeiterin Anneke aus Bremen angereist, um gemeinsam mit uns Freiwilligen eine intensive Seminarwoche in Kpalimé zu verbringen.

Da das Freiwilligenprogramm der NM im Vergleich zu anderen Organisation relativ klein und familiär ist, waren wir anfangs nur zu viert, dass heißt Laura, ich, Merlit und Franziska, die zwei Freiwilligen aus Ghana. Da wir uns lange nicht mehr gesehen haben, war das Wiedersehen wirklich sehr schön. Zumal jeder bereits sehr viel zu erzählen und berichten hatte und es doch schon einige lustigen Geschichten zu hören gab.Da der Schwerpunkt des Seminars, auf der Selbstreflexion  im Bezug auf das vergangene halbe Jahr lag, haben wir mit diesem Thema besonders viel Zeit verbracht und somit nochmal auf manche Dinge einen anderen Blick bekommen.

Besonders interessant wurde es nach zwei Tagen, als die insgesamt acht Süd-Nord Freiwilligen aus Togo und Ghana dazu gestoßen sind, die ab April ein Jahr  in Deutschland  verbringen werden. Dort werden sie genauso wie wir, Freiwilligen hier in Togo/ Ghana, ein Freiwilliges Jahr in einer sozialen Einrichtung verbringen.

Während des Seminars hatten wir genügend Zeit, um uns untereinader auszutauschen und Fragen zu stellen. So haben wir beispielsweise über Kolonialismus, Neoimperalismus und Rassismus gesprochen, Themen die mich interessien und die ich sehr wichtig finde. Im Vordergrund stand aber verständlicherweise, die Vorfreude, auf die abenteuerliche Reise nach Deutschland, die den acht jungen Togoern und Ghanern in diesem Jahr bevorsteht.

Sie sind alle sehr gespannt auf das, was sie dort, in diesem fremden Land,  erwarten wird. Das mag für manch einen etwas komisch klingen, da dort wo man schon immer gelebt hat, einem alles ganz normal und selbstverständlich vorkommt. Aber inzwischen weiß ich aus eigener Erfahrung wie es ist von jetzt auf gleich in eine völlig andere Welt einzutauchen, in der andere (wenn auch oftmals sehr versteckte) kulturelle Regeln gelten.

Deshalb haben wir die gemeinsame Zeit unter anderem dafür genutzt, um den Süd-Nord-Freiwilligen  ein paar „Verhaltenstipps“ zu geben, um das ein oder andere Fettnäpfchen zu vermeiden. So sollte man beispielsweise nicht auf die Idee kommen beim Aldi mit der Verkäuferin hinter der Kasse über den Preis zu diskutieren, wie man es hier sonst überall auf den Märkten tut.  Außerdem sollte man  wissen, dass es in Deutschland definitiv kein Kompliment ist jemandem mit einem freudigen „ Du bist aber dick geworden“ zu begrüßen, was hier durchaus positiv gemeint ist.

Peinliche Situationen  lassen sich während eines Auslandsjahrs sowieso nicht vermeiden, das gehört einfach dazu und ist im Nachhinein meist sehr lustig. Umso mehr freue ich mich auf das Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen, insbesondere den Süd-Nord-Freiwilligen, die wir ebenfalls auf unserem Rückkehrerseminar in Wuppertal wiedersehen werden.

Ich bin schon gespannt wie gut sie sich bis dorthin bei uns in Deutschland eingelebt haben und hoffe, dass es ihnen nicht allzu große Schwierigkeiten bereiten wird, sich gut zu integrieren und sie ebenso herzlich aufgenommen werden, wie man uns in ihren Heimatländern aufgenommen hat.

 

 

Halbzeit

Autor: Hanna | Datum: 25 Februar 2018, 22:48 | 0 Kommentare

 

Ende Februar- nun sind tatsächlich schon über 6 Monate vergangen, seitdem ich mich im August mit Laura an meiner Seite in das weitentfernte Togo aufgemacht habe. Inzwischen ist mir hier vieles sehr vertraut und die Leute sehr ans Herz gewaschen, so dass ich ungern daran denke, dass die Hälfte meines Freiwilligenjahres bereits hinter mir liegt.

 Natürlich hat sich bei uns inzwischen auch eine Art Alltag eingestellt, so dass (anders als in den ersten Monaten) nicht jeden Tag etwas völlig Neues und Unerwartetes passiert. Dennoch ist selten ein Tag wie der andere, da man vorher nie genau weiß, ob man den Nachmittag zur freien Verfügung haben wird, um zum Beispiel auf dem Markt Essen einzukaufen oder endlich mal wieder seine Wäsche zu waschen, oder ob nicht plötzlich wieder 8 unangekündigte Gäste vor der Tür stehen.

 Aber das ist hier so üblich, dass man einfach ohne Ankündigung bei seinen Freunden vorbeischaut. Das mag daran liegen, dass Gastfreundschaft bei den Togoern großgeschrieben wird und es als ganz selbstverständlich gilt, dass man seine Gäste nicht mit leeren Magen wieder nach Hause gehen lässt. Wir können leider meist nur mit solchen simplen „Gerichten“ wie Spaghetti und Couscous mit Avocado dienen, aber dafür wird uns netterweise beim Kochen manchmal von einer Freundin unter die Arme gegriffen.  

Die Jungs aus der Nachbarschaft, die nahezu täglich für 2-3 Stunden vorbeikommen,  interessieren sich zwar auch sehr fürs Kekse und Kuchenbacken, aber ansonsten wir unser Esszimmer oft in ein Tanzstudio umfunktioniert, um diverse Tänze einzuüben. Die Vorlagen für die jeweilige Choreographie schauen sie sich vorher in den zu den Liedern gehörigen Videoclips an, die sich die Jugendlichen hier per Bluetooth von Handy zu Handy schicken. Für mich ist es nach wie vor nicht immer ganz leicht die jeweiligen Schritte richtig nach zu machen, da es in diesem traditionellem Tanzstil sehr viele Bewegungsabfolgen gibt, die ich so vorher noch nie gesehen, geschweige denn getanzt habe. Gefühlt können hier fast alle gut tanzen, aber wenn man sich die kleinen Kinder anschaut, die von klein auf lernen, sich  zum Rhythmus der Musik zu bewegen,  ist das auch nicht besonderes verwunderlich.

Zumal die Leute hier im Alltag wie auch in der Kirche täglich mit Musik in Kontakt kommen. Dafür ist die Straße, an der wir leben ein perfektes Bespiel. Denn die zwei Läden, die jeweils mit einer großen Lautsprecherbox ausgestattet sind, spielen von morgens um 7 bis abends um 23 immer mit dröhnender Lautstärke, die  angesagtesten Lieder. Da man selbst drinnen bei uns im Haus jedes Wort versteht, was draußen gespielt wird, ging uns das die ersten Wochen nach unserer Ankunft ziemlich auf die Nerven.  Das zu muss man sagen, dass in Dauerschleife meist die gleichen Lieder gespielt werden  und die Playlist gefühlt aus weniger als 10 Songs besteht, was für eine ziemlich unabwechslungsreiche  Beschallung sorgt.

Aber inzwischen haben wir uns schon an all diese Geräusche gewöhnt, so dass wir es inzwischen tatsächlich nicht mehr richtig wahrnehmen. Und ob man`s glaubt oder nicht, werde ich vermutlich selbst das vermissen, wenn es in einem halben Jahr wieder nach Hause geht.