VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Annika  |  Chantal  |  Charlotte  |  Feli  |  Franzi  |  Fritz  |  Hanna  |  Laura H  |  Laura M  |  Lena  |

Lina  |  Maida  |  Mareike  |  Matthis  |  Merlit  |  Miri  |  Paul  |  Pauly  |  Rebekka  |  Renke  |  Tabea  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Ankunft in Notsé

Autor: Hanna | Datum: 28 September 2017, 10:52 | 0 Kommentare

Nun ist es tatsächlich schon über drei Wochen her, dass wir hier in Notsé bei unserer Einsatzstelle angekommen sind. Dieser erste Monat in Togo ist für mich gefühlt ziemlich schnell vergangen, was vermutlich daran liegt, dass wir einfach so unglaublich viele neue Eindrücke in der letzten Zeit erhalten haben. Das Klima, die Menschen, die Lebensweise, die neue Umgebung alles ist sehr spannend und ungewohnt. Ich habe mich aber doch ziemlich schnell hier eingelebt und fühle mich sehr wohl hier. Aber nun erst mal von Anfang an:

Nachdem wir die erste Woche in Lomé verbracht haben, sollte es für uns dann endlich weiter nach Notsé gehen, worauf wir uns schon sehr gefreut haben. Der Umzug sollte zwar eigentlich ein paar Tage später stattfinden, aber dann war es am 5. September doch schon so weit. Ein wenig in Stress, suchten wir morgens noch schnell unser Gepäck zusammen und waren sehr erleichtert, dass sich die Koffer noch schließen ließen. Im Endeffekt wäre die Eile gar nicht nötig gewesen, da wir dann doch noch fünf Stunden gewartet haben, bis wir abgeholt wurden.

Die ca dreistündige Fahrt übers Land war sehr beeindruckend, da wir außer Lomé ja noch nicht viel von Togo gesehen hatten. Die Landschaft ist sehr grün hier, es gibt eine Menge großer Bäume und sehr viele Palmen. Im Vergleich zur Hauptstadt sind die Dörfer, durch die wir gefahren sind, doch ziemlich ländlich und klein. Entlang der Straße stehen einfache Häuser aus Lehm und es sind viele Kinder und Frauen zu sehen, die versuchen an vorbeifahrenden Autos ihr selbstgebackenes Brot oder frisch geerntetes Obst zu verkaufen.

Die Strecke, die wir gefahren sind, ist stark befahren, da es eine der wenigen großen Straßen in Togo ist, die in Richtung Norden führt und für den Transport von diversen Dingen wie beispielsweise Lebensmitteln wichtig ist. Unzählig viele Autos und Lkws sind unterwegs, meist bis obenhin beladen. Nicht selten sieht man auf den Autodächern ein Sofa, Motorräder, Koffer oder auch einen Haufen toter Hühner befestigt. Besonders aufgefallen sind mir die vielen alten, ausrangierten Lastwagen, die kilometerweit am Straßenrand zu sehen sind. In der brütenden Hitze sind Männer daran am Schrauben, um diese wieder funktionsfähig zu machen.

In Notsé angekommen, wurde uns erst unsere Wohnung gezeigt, bevor wir anschließend bei unserem Nachbarn Albert und seiner Familie zum Abendessen eingeladen waren. Es gab Reis mit einer sehr scharfen Soße, mit der wir beide etwas zu kämpfen hatten. Aber an das viele scharfe Essen werden wir uns bestimmt noch gewöhnen.

Das Gelände auf dem wir hier wohnen nennt sich CEPRODED, was eine Abkürzung für „ Centre Protestant pour le developpement durable“ ist. Hier gibt es sowohl mehrere Wohnungen als auch das Verwaltungsbüro der EEPT. Hinter dem Grundstück befinden sich einige Felder, auf denen Ananas und Mais angebaut wird. Es gibt hier wirklich sehr viel leckere Ananas zu kaufen, weshalb Notsé auch als „Capitole du ananas“ bezeichnet wird.

Die erste Woche haben wir vor allem damit verbracht unsere Wohnung zu beziehen und uns ein wenig die Gegend anzuschauen. Albert hat uns auch sehr bald den großen Markt gezeigt, auf dem man eigentlich alles einkaufen kann, was man hier zum Leben braucht. Etwas ungewohnt war für mich der relativ starke Fischgeruch, der häufig zwischen den kleinen Markständen zu riechen ist. Wie uns inzwischen bewusst geworden ist, wird hier, anders als in Deutschland deutlich weniger Fleisch, aber dafür umso mehr Fisch gegessen. Über den Markt und die Stadt werde ich aber in einem meiner Rundbrief noch etwas ausführlicher berichten.

Die Menschen, die wir bis jetzt kennengelernt haben, sind alle sehr nett und aufgeschlossen. Besonders die Kinder freuen sich immer sehr uns zu sehen. Leider hatte ich in der letzten Woche schon das erste Mal Malaria, oder wie man hier so sagt " Tu as été baptisé par les moustiques" (Die Mücken haben dich getauft). Dennoch habe ich mich hier immer sehr wohl und gut aufgenommen gefühlt. Neben uns wohnt eine junge Ärztin, die sich sehr gut um mich gekümmert hat. Viele Leute kamen vorbei, um nach mir zu schauen und um etwas zum Essen vorbeizubringen. Das konnte ich zwar nur schwer zu mir nehmen, aber über die Geste habe ich mich sehr gefreut!

 

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, kam mein erster Eintrag etwas verspätet, was daran lag, dass wir die ersten fünf Tage nach unserer Ankunft hier ohne Internet verbracht haben. Das war an sich ja nicht weiter schlimm, aber die Ursache dafür war für uns jedoch sehr überraschend: Aufgrund zunehmender Demonstrationen gegen den derzeitigen Präsidenten Faure Gnassingbé, bei denen es auch schon vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen ist, hat die Regierung veranlasst landesweit das mobile Netz abzuschalten. Mit dieser Maßnahme sollte, wie uns erzählt wurde, sowohl die mediale Verbreitung von Berichten über diese Unruhen als auch weitere Aktionen der Opposition verhindert werden.

Leider weiß ich nicht besonders viel über die aktuelle politische Lage in Togo, da es sehr schwierig ist, an genaue Informationen und verlässliche Quelle zu gelangen. Vor allem in den deutschen Medien habe ich so gut wie nichts zu diesem Thema gefunden, was mich sehr überrascht hat. Aus diesem Grund werde ich mich dazu erst mal nicht konkreter äußern, um nichts Falsches wiederzugeben. Ich persönlich finde es jedoch ziemlich erschreckend, dass eine Regierung überhaupt in der Lage ist, ihre Macht auf dieser Art und Weise auszuüben.

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype