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Der Schulanfang

Autor: Hanna | Datum: 19 Oktober 2017, 14:54 | 0 Kommentare

Der erste Schultag

Am 02.10 war es dann soweit, die Ferien waren vorbei und die Schule sollte beginnen. Noch etwas müde krochen wir morgens um 5 Uhr aus unseren Betten, aber es dauerte nicht lange, bis auch ein wenig Aufregung aufkam. Heute würden wir zum ersten Mal unsere Schüler sehen und die anderen Lehrer kennenlernen.

Der Weg zur Schule ist zum Glück nicht weit, so dass wir nach knapp 6 Minuten Fußweg pünktlich vorm Hauptgebäude standen. Viel war noch nicht los, auch wenn planmäßig um halb 7 ein Gottesdienst das neue Schuljahr einleiten sollte. Nach und nach trafen vereinzelte Schülergruppen ein, bis dann um halb 8 nahezu alle da waren. Per Pfiff wurden die mehr als 600 Schüler dazu aufgefordert sich klassenweise in Reihen aufzustellen. Alle tragen eine Schuluniform, die Jungs ein beiges Hemd mit Hose und die Mädchen einen Rock mit einer blauen Bluse.

Nachdem der Schulpastor ein paar Minuten gepredigt hatte, kam ein Lehrer nach vorne und ermahnte die Schüler in einem Appell dazu, sich im neuen Schuljahr anständig zu verhalten, da dies schließlich eine protestantische Schule sei, und sich die Schüler dementsprechend zu verhalten haben.

Kurz darauf wurden drei Schülerinnen nach vorne gebracht und blieben mit gesenktem Kopf vor der gesamten Schülerschaft stehen. Da wir den Grund dafür nicht verstanden haben, fragten wir einen der Lehrer, der uns daraufhin erklärte, dass es in der Schule nicht erlaubt ist längere Haare oder zu Zöpfen geflochtene Extensions zu tragen. Die Mädchen haben nun eine Woche Zeit um sich ihre Haare kurz zu schneiden, so wie es in fast allen Schulen Togos vorgeschrieben ist.

Als im abschießenden Gebet ein Sechstklässler zu laut mit seinen Kumpels Quatsch gemacht hatte, wurde dieser vom Pastor ebenfalls nach vorne zitiert. Er sollte laut das Vaterunser aufsagen, da der Pastor ihn jedoch ständig unterbrochen hat und dazu aufforderte lauter und deutlicher zu sprechen, fielen ihm nur wenige Worte ein. Seine Freunde und die restlichen Klassen fanden das offensichtlich sehr amüsant, was ich absolut nicht nachvollziehen kann.

 

Die erste Unterrichtsstunde

Am Dienstag sollten wir dann zum ersten Mal unterrichten. Wir geben Deutschunterricht in insgesamt acht Klassen von der 6ième bis zur 3ième, was in Deutschland den Stufen 5 bis 8 entspricht. Dieser Unterricht ist für die Schüler verpflichtend, wird jedoch nicht richtig benotet, da für die unteren Klassen offiziell kein Deutschunterricht vorgeschrieben ist und es dafür nicht genügend Deutschlehrer gibt. In den oberen Klassen, der Seconde und der Premier (Stufe 9 und 10) wird der Deutschunterricht benotet und fließt mit in das Abschlusszeugnis ein. Dort unterrichtet Herr Woglo, auf dessen Unterricht wir Freiwilligen die Schüler aus den unteren Stufen vorbereiten sollen.

Da in den drei Schulgebäude nicht genügend Platz für die insgesamt 12 Klassen ist und noch Geld für ein weiteres Gebäude fehlt, sind die Klassen 6ième A, B und 5ième A, B jeweils gemeinsam in einem Raum untergebracht. Das ist insofern etwas unpraktisch, weil uns eigentlich verschiedene Stunden für Klasse A und B zugeteilt wurden sind, wir nun aber beide gleichzeitig unterrichten müssen.

Für die Schüler ist das auch ziemlich anstrengend, weil sie nun doppelt so viele Deutschstunden haben, was nicht unbedingt zu mehr Motivation beiträgt. Die Klassen sind ziemlich groß (um die 100 Schüler) was zur Folge hat, dass die hinteren Reihen oft nicht verstehen können, was der Lehrer vorne sagt und deshalb schnell abgelenkt sind. Da zwei der Gebäude zu beiden Seiten offen sind, kommt der Lärm aus den anderen Klassen auch noch dazu. Wir geben uns also immer sehr viel Mühe sehr laut und ganz deutlich zu sprechen.

Die erste Stunde hatten wir dann in der 5ième (6.Klasse), wo dann ca 120 Schüler vor uns standen und uns mit einem lauten „ Bonjour Mesdames!“ begrüßten. Nachdem sich alle wieder hingesetzt hatten, stellten wir uns kurz vor und fingen damit an, einfache Fragen wie z.B „Wie heißt du?“ oder „Wie alt bist du?“ zu wiederholen. Wie sich dabei herausstellte, sind auch Schüler dabei, die genauso alt oder älter sind als ich, was mich doch sehr überrascht hat.

Manche Schüler werden jedoch erst recht später eingeschult oder arbeiten zwischendurch, so dass es nicht ganz unüblich zu sein scheint, mit 18 in die 6. Klasse zu gehen. Der Großteil der Klasse ist jedoch zwischen 12-15 Jahre alt. Auch wenn es ziemlich viele Schüler auf einmal sind, kommt einem die Klasse zum Glück nicht ganz so groß vor, was vermutlich daran liegt, dass sich meist zu dritt eine Sitzbank geteilt wird.

Dafür, dass es unsere erste Stunde war und wir im Französischen immer noch etwas unsicher sind, waren wir mit dem Ergebnis jedoch recht zufrieden. Die meisten Schüler haben sehr gut mitgearbeitet, vor allem die Kleinen aus den vorderen Reihen reckten oft ihre Hände in die Höhe und riefen“ ich, ich“ um endlich drangenommen zu werden. Das hat uns sehr gefreut, denn es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass sie motiviert mitarbeiten und gerne eine neue Sprache lernen möchten.

 

Deutschunterricht bei Monsieur Woglo

Die circa 20 Lehrer, die hier am College Protestant unterrichten, haben wir inzwischen auch kennengelernt und verstehen uns recht gut mit ihnen. Lehrerinnen gibt es an dieser Schule nicht, was mich etwas verwundert hat. Wie man uns erklärte, unterrichten diese jedoch häufig an Grundschulen.

Wie ich oben schon erwähnt habe, wird die Premiere und Seconde von einem richtigen Deutschlehrer, Monsieur Woglo unterrichtet. Ich finde es ziemlich beeindruckend, wie gut und nahezu akzentfrei sein Deutsch ist. Dabei ist er selbst nie in Deutschland gewesen. Sein Unterricht in der Premiere ist durchaus anspruchsvoll, aber die Schüler arbeiten ziemlich gut mit und scheinen ein gutes Verhältnis zu ihrem Lehrer zu haben.

Es ist wirklich sehr interessant zu sehen, wie der Deutschunterricht hier abläuft, weshalb wir nun öfters in seinen Stunden zuschauen werden. Es ist eine gute Gelegenheit um Anregungen für den eigenen Unterricht zu sammeln, zumal wir als Muttersprachler auch noch so Manches dazu lernen können. So schauten Laura und ich uns beispielsweise ziemlich ratlos an, als Monsieur Woglo uns fragte, wie viele Modalverben es im Deutschen gibt. Das Fragezeichen stand uns vermutlich recht groß auf die Stirn geschrieben, aber so hatten wir immerhin alle etwas zum Lachen.

Aber wie der Schulleiter, Monsieur Alotsi, bei unserer Vorstellung schon richtig sagte, sind wir zwar da, um den Schülern etwas beizubringen, aber ebenso um von ihnen zu lernen. Das trifft es finde ich sehr gut und ich bin schon gespannt auf die kommenden Wochen.

 

 

 

*In meinem Foto-Ordner findet ihr noch ein paar Bilder von der Schule, die doch etwas anderes aussieht, als man es sich vielleicht vorstellt.

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