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Ausflug zum Mount Agou

Autor: Hanna | Datum: 03 Juni 2018, 14:25 | 0 Kommentare

Für das letzte Maiwochenende, schlug uns unser Chorleiter Kekeli vor, einen kleinen Ausflug in die Berge zu unternehmen. Das bedeutete am Samstag um 4:30 aufstehen, da wir pünktlich um 5:30 von Kekeli und Edem, ein guter Freund von ihm, mit ihren Motorrädern vor der Haustür abgeholt wurden. Mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen und einem Tuch bis unter die Augen gebunden, fuhren wir knappe eineinhalb Stunden über die berühmt berüchtigte Sandpiste. Als wir dann den Sandweg verließen und wieder auf einer geteerten Straße ankamen, wurde noch kurz ein Zwischenstopp eingelegt, um sich den roten Staub aus dem Gesicht zu wischen und die Kleidung ein wenig abzustauben. Anschließend ging es noch ein paar Kilometer weiter in Richtung Kpalimes, bis wir auf eine kleine Straße abbogen, die zu den dahinterliegen Bergen führte. 

Kekeli eeklärtwer uns, dass direkt vor uns der höchste Berg Togos, der „Mont Agou“ liege und zeigte mit dem Finger stolz auf die winzig aussehenden Häuser, die in weiter Ferne unterhalb der Bergkuppe zu sehen waren. Dies sei das Dorf „Dzigbe“, in dem seine Verwandten leben.

Als er verkündete, dass wir genau dorthin nun mit den Motorräder fahren würden, hatte ich erst etwas Bedenken, ob die Motoren diese extreme Steigung meistern würden. Die Steigung war jedoch nicht das größte Problem, es war der geteerte Weg, der überwiegend aus sandigen Schlaglöchern und 10 Zentimeter hohen Abbruchkanten besteht, der Schwierigkeiten bereitete. Dass die Straße so aussieht ist jedoch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie lang es diese schon gibt. Erbaut wurde sie in der Zeit, in der Togo noch eine deutsche Kolonie war. Da der Mont Agou der höchste Berg des Landes ist, erbauten die Deutschen dort eine Funkstation, um mit ihren Landsleuten in Deutschland Informationen austauschen zu können. Dementsprechend wurden mehrere kleine Straßen erbaut, um die Bergkuppe zu erreichen. Nachdem wir nach 15 km Aufstieg die Motos auf einer Höhe von cira 700 Metern abgestellt hatten, ging es anschießend zu Fuß weiter. 

DerAufstieg über den steilen Weg, der im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von großen Felssteinen besteht, brachte uns bei der schwülen Hitze ziemlich ins Schwitzen. Für den anschließenden Ausblick hat es sich jedoch alle mal gelohnt. Oben angekommen wurden uns die Wettermessstation und der ehemalige Funkturm der Deutschen gezeigt, der heutzutage vom Netzanbieter Togocel genutzt wird. In den sechziger Jahren erbaten die Franzosen noch einen weiteren Funkturm dazu.

Auf der Bergkuppe befinden sich, bereits vom Gras etwas überwaschen, zwei große Steine, in die die jeweiligen Kolonialmächte die Höhe des Berges haben eingraviert lassen. Amüsanter weise stimmen diese Zahlen nicht überein, so dass die Franzosen mit ihrer Bemessung von 984 Metern, 10 Meter unter der, der Deutschen liegen. Diese wenigen Meter Unterschied, sind letztendlich nicht besonders relevant. Sie spiegeln jedoch gut die Konkurrenz zwischen diesen beiden Besatzungsmächten wieder.

Der Mount Agou ist nämlich insofern ein historischer Ort, da es dort zu Zeiten des ersten Weltkrieges, zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen deutschen, britischen und französischen Truppen gekommen ist. Bei diesen Truppen handelte es sich in der Regel nur um eine kleine Gruppe an Deutschen, die einheimische Männer und Jungen als Söldner rekrutierten und diese für ihre eigenen Ziele kämpfen ließen. Grund für diese gewaltsamen Auseinandersetzungen sei das Ziel der Briten und Franzosen gewesen, die Funkstation der Deutschen als Kommunikationsmittel zu kappen bzw. für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Kekeli nahm uns mit an den Ort, von dem man sagt, dass dort im Jahr 1914 die Truppen der Kolonialmächte aufeinander gestoßen sind und sich anschließend bekriegten. Wie auch in den anderen Städten und Dörfern des Landes, wo es während des 1.Weltkrieges zu Kämpfen gekommen ist, gab es auch am Mont Agou Kriegsverletzte und Tote

. Heute ist an diesem Ort nichts mehr zu sehen, was daran erinnern könnte, was damals an diesem Ort, im Dickicht aus hohen Palmen und Bananenstauden, geschehen ist. Der Mount Agou und insbesondere das Bergdorf Dzigbe, machen ansonsten einen sehr idyllischen Eindruck. Umgeben von einer leuchtend grünen Natur liegt das Dorf direkt in ca. 700 Meter Höhe am Hang des Berges. Die kleinen Lehmhäuser liegen eng nebeneinander und werden durch schmale Wege miteinander verbunden, die aus großen unebenen Steinen bestehen und ziemlich steil sind. Ich musste mich richtig konzentrieren und darauf achten, wo ich meine Füße absetzte, um nicht plötzlich abzurutschen und ins Tal hinunter zu rollen. Aber die Leute von hier, scheinen diese Pfade seit ihrer Kindheit zu kennen, so dass selbst die alten Frauen, die große Körbe oder Wasserkanister auf ihren Köpfen bugsieren, sich mit einer Leichtigkeit auf diesen steinigen Wegen fortbewegen. Die Häuser bestehen häufig nur aus ein und zwei quadratischen Zimmern, doch egal aus welchem Fenster man sieht, hat man einen wunderbaren Blick hinunter ins Tal und kann in der Ferne sogar die ersten Dörfer in Ghana sehen.

Nachdem wir Kekelis Onkel, einen Grundschullehrer des Dorfes, besucht hatten, musste erst noch der Chef des Dorfes begrüßt werden, bevor es weiter zu anderen Hausbesuchen ging. Da Kekeli als Chorleiter für längere Zeit mit dem Jugendchor des Dorfes zusammen gearbeitet hatte, ist er unter den Bewohner sehr bekannt und wurde mit offenen Armen empfangen. So hatten wir die Gelegenheit zu sehen, wie die Leute hier leben und wurden ebenfalls mit einer großen Freundlichkeit begrüßt. Auch wenn es sicherlich nicht immer leicht ist, soweit oben, weit weg von der nächsten Stadt zu leben, hat mich dieses Dorf mit seinen Menschen sehr fasziniert, so dass ich gerne länger geblieben wäre.

 

 

 

 

Fotos findet ihr unter Fotoalben, im Ordner "Mount Agou" :) 

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